Was „Hochdruck" technisch überhaupt bedeutet
Der Begriff „Hochdruck" wird in der Werbung inflationär verwendet, hat aber keine einheitliche rechtliche oder technische Definition. In der Praxis werden Geräte je nach Druckstufe unterschiedlich kategorisiert:
Umgangssprachlich beginnt Hochdruck bei etwa 80 bis 100 bar. Alles darunter ist Niederdruck oder dosierter Druck. In der Werbung wird allerdings häufig der gesamte Bereich unter 100 bar — also auch 30, 50 oder 80 bar — als „ohne Hochdruck" kommuniziert. Das ist begrifflich nicht falsch, suggeriert aber oft etwas anderes, als der Kunde erwartet.
Wie die meisten „ohne Hochdruck"-Profis wirklich arbeiten
Wenn Sie drei beliebige Dachreinigungs-Anbieter in Deutschland, Österreich oder der Schweiz googeln, finden Sie auf fast jeder Website den Claim „ohne Hochdruck". In der Praxis arbeiten diese Betriebe jedoch meistens mit einem der folgenden Verfahren:
Variante A: Niederdruck mit Spezialreiniger
Ein biologisch abbaubarer Reiniger wird aufgebracht, lässt kurz einwirken, dann wird mit einem Niederdruck-Gerät abgespült. Typische Arbeitsparameter:
- Arbeitsdruck: 30 bis 80 bar (regelbar)
- Düse: Flächendüse oder Rotations-Flächenreiniger
- Wassertemperatur: oft kalt, bei stärkerem Befall warm bis 60 °C
- Reiniger: biologisch abbaubar (idealerweise nach OECD 301A)
Variante B: Heißdampfverfahren
Wasser wird im Gerät auf 80 bis 95 °C erhitzt und mit moderatem Druck aufgebracht. Die hohe Temperatur tötet Moos, Algen und Flechten direkt ab und löst Verkrustungen. Drucktechnisch meist im Niederdruck-Bereich (40 bis 80 bar), dafür mit der zusätzlichen thermischen Wirkung.
Beide Verfahren sind materialschonend und bei korrekter Anwendung unbedenklich — aber sie arbeiten nicht wirklich mit null Druck. Wer „ohne Hochdruck" als „drucklos" versteht, wird dies oft erst beim Einsatz realisieren.
Die einzige echte Null-Druck-Methode: die Austrocknungsmethode
Es gibt genau ein Verfahren, das tatsächlich ohne nennenswerten Druck auskommt:
Austrocknungsmethode (biologisch-passiv)
Ein Wirkstoff (meist quaternäre Ammoniumverbindung oder biologischer Algenentferner) wird mit einem Drucksprüher bei 3 bis 6 bar als feiner Nebel auf die Dachfläche aufgebracht. Algen, Moose und Flechten nehmen den Wirkstoff auf und sterben innerhalb weniger Wochen ab.
- Aufbringungs-Druck: 3 bis 6 bar (wie ein Gartenspritzer)
- Einwirkzeit: 4 bis 12 Wochen
- Regen-Ereignisse übernehmen das Abwaschen der abgestorbenen Organismen
- Keine mechanische Einwirkung auf die Ziegelsubstanz
Die Austrocknungsmethode ist die einzige Methode, bei der der Begriff „ohne Hochdruck" technisch wirklich zutrifft. In der Praxis kombinieren viele Profis diese Methode mit einem mechanischen Vorreinigen per Niederdruck, um sichtbare Ergebnisse schneller zu erreichen.
Wichtig zu wissen
Auch die Austrocknungsmethode ist nicht „ohne Chemie" — sie verwendet einen Wirkstoff, der biologische Organismen abtötet. Der Unterschied zum Niederdruck-Verfahren liegt nur im mechanischen Aspekt, nicht im chemischen.
Warum fast alle Anbieter mit dem Claim werben
Der Claim „ohne Hochdruck" funktioniert als Marketing-Argument so gut, weil er einen echten Kunden-Nutzen aufgreift:
- Hochdruck aus dem Baumarkt beschädigt tatsächlich die schützende Engobe-Schicht von Ziegeln.
- Der Laie kennt meist nur seinen Kärcher oder Bosch aus dem Baumarkt — und weiß, was dieser mit Ziegeln anstellt.
- „Ohne Hochdruck" klingt nach Verzicht und Schonung — das weckt Vertrauen.
Das Problem: Der Claim blendet aus, dass zwischen 180 bar Kärcher und 0 bar Gartenspritze ein riesiger Bereich liegt, in dem professionelle Dachreinigung stattfindet. Wenn ein Anbieter Niederdruck mit 50 bar verwendet, ist das nicht Hochdruck im engeren Sinn — aber auch nicht druckfrei. Ehrlicher wäre: „dosierter Druck, regelbar von 30 bis 80 bar, Flächendüse".
Rechtliche Einordnung: ist das irreführende Werbung?
Das deutsche Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) verbietet irreführende Werbung. § 5 UWG greift dann, wenn eine Aussage bei einem durchschnittlich informierten Verbraucher einen falschen Eindruck erweckt.
Beim Claim „ohne Hochdruck" ist die rechtliche Lage uneindeutig:
- Pro Claim: Der Begriff „Hochdruck" hat keine verbindliche Norm. Werbung mit „ohne Hochdruck" bei 50 bar Niederdruck-Gerät ist begrifflich nicht falsch.
- Contra Claim: Der durchschnittliche Verbraucher versteht „ohne Hochdruck" oft als „ohne Druck". Werden dann 50 oder 80 bar eingesetzt, ist das irreführend.
Bisher gibt es in Deutschland nach unserem Kenntnisstand keine rechtskräftige Entscheidung eines Oberlandesgerichts, die den Claim „ohne Hochdruck" bei Niederdruck-Einsatz eindeutig als irreführend einstuft. Abmahnungen im Einzelfall sind möglich, aber selten erfolgreich durchgesetzt.
Das bedeutet: Der Claim ist juristisch meist gedeckt, wettbewerbsethisch aber fragwürdig. Wir halten Transparenz für den besseren Weg.
Was Dachreinigung wirklich materialschonend macht
Nicht der Druck allein entscheidet, ob eine Reinigung schonend ist. Entscheidend sind vier Faktoren zusammen:
1. Druckstufe
Ja, Druck ist wichtig — aber nicht der einzige Faktor. 80 bar mit einer Flächendüse aus 40 cm Abstand sind deutlich schonender als 40 bar mit einem Punktstrahl aus 10 cm Abstand.
2. Düsenform
Eine Flächendüse verteilt den Wasserstrahl auf eine breite Fläche — das reduziert die punktuelle Aufprallenergie drastisch. Ein Punktstrahl konzentriert die gesamte Energie auf wenige Quadratzentimeter und ist daher auf empfindlichen Oberflächen problematisch, selbst bei moderatem Druck.
3. Abstand zur Oberfläche
Die Aufprallenergie nimmt mit dem Quadrat des Abstands ab. Ein Strahl aus 10 cm hat 16-mal mehr Energie als derselbe Strahl aus 40 cm. Profis arbeiten mit standardisierten Abständen, Laien oft zu nah.
4. Spezialreiniger
Ein biologisch abbaubarer Spezialreiniger löst Moos, Algen und Flechten chemisch von der Oberfläche, bevor die Mechanik überhaupt eingesetzt wird. Das reduziert die nötige mechanische Energie drastisch und schont die Engobe-Schicht. Reiniger nach OECD-Norm 301A sind innerhalb von 28 Tagen zu über 60 % biologisch abgebaut — also unbedenklich für Garten und Grundwasser.
Wer eine seriöse Dachreinigung anbietet, achtet auf alle vier Faktoren — nicht nur auf einen Claim.
Fragen, die Sie jedem Anbieter stellen sollten
Wenn Sie vor der Entscheidung für einen Dachreinigungs-Anbieter stehen, fragen Sie Folgendes:
Fragen-Checkliste
- Mit wie viel bar arbeiten Ihre Geräte? (Seriös: 30–80 bar, regelbar)
- Welche Düsenform verwenden Sie? (Seriös: Flächendüse, kein Punktstrahl)
- Welchen Reiniger setzen Sie ein? (Seriös: biologisch abbaubar, idealerweise OECD 301A)
- Wie warm ist das Wasser bei der Anwendung? (kalt oder warm, beides legitim)
- Kann ich vorab eine kostenlose Probefläche sehen?
- Wie lange hält das Ergebnis ohne Nachbehandlung?
- Geben Sie eine Garantie — und wie lange ist sie gültig?
- Wer haftet, wenn Ziegel beschädigt werden? (Seriös: voll versichert)
Ein seriöser Anbieter beantwortet alle diese Fragen mit konkreten Zahlen und Details — nicht mit Marketing-Phrasen. Wer auf „Ach, da müssen Sie sich keine Sorgen machen" ausweicht oder keine konkreten bar-Werte nennt, ist kein guter Gesprächspartner.
Unsere Position: Transparenz statt Claim
Bei ABC Surface Protect verzichten wir bewusst auf den pauschalen Claim „ohne Hochdruck". Das hat drei Gründe:
- Es wäre nicht ganz korrekt. Unsere Reinigung arbeitet mit dosiertem Druck zwischen 30 und 80 bar — das ist Niederdruck, nicht drucklos.
- Es wäre irreführend. Kunden, die „ohne Hochdruck" als „drucklos" verstehen, würden enttäuscht, wenn sie unser Verfahren sehen.
- Unser Vorteil liegt woanders. Wir punkten mit biologisch abbaubaren Spezialreinigern nach OECD 301A, dosiertem Druck mit Flächendüse, und einer 10-Jahres-Garantie auf die optionale Nano-Versiegelung. Das ist greifbarer als ein Werbe-Claim.
Wenn Sie mit uns arbeiten, sehen Sie vorab auf einer kostenlosen Probefläche, was unsere Methode wirklich leistet. Sie entscheiden sich dann auf Basis des tatsächlichen Ergebnisses, nicht auf Basis eines Versprechens.
Weitere Details zum eigentlichen Reinigungsverfahren finden Sie in unseren Ratgebern Hochdruckreiniger auf dem Dach — Faktencheck und Dachreinigung selber machen — lohnt sich das?.